Pride: Party oder Protest - was sagt die queere Kultur?

Gute Stimmung, schrille Outfits, nackte Haut – die Pride ist eine große Party geworden. Da hängen sich viele mit ein, die eher ein wenig Geld verdienen wollen als wirklich um Menschenrechte zu kämpfen. Gleichzeitig droht sich die Politik zu verschärfen. Worum ging es ursprünglich mal? Wie geht die Community damit um? Was macht die queere Kultur und kann man mit Kunst noch was bewegen?

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Zwischen Kunst, Aktivismus und Community


„Pride started with a riot“ – dieser Satz steht prominent auf der Website des Queer Museums Wien. Er erinnert daran, dass queere Sichtbarkeit nie nur gefeiert wurde, sondern stets erkämpft werden musste. Genau zwischen diesen Polen – Aktivismus und Protest, Kunst und Politik – bewegt sich queere Kultur heute. Die queere Kultur wird vielfältig gelebt – doch mensch ist sich einig, dass sie politisch bleiben muss.

Michał Rutz kam vor über zehn Jahren aus Polen nach Wien – auch, um der offenen Homophobie im akademischen Umfeld zu entkommen. „I was called faggot by my professor“, erzählt er über seine Erfahrungen an der Kunstakademie. Heute kuratiert er im Queer Museum die Ausstellung „Imagining Queer Utopia“. Für ihn ist Queerness mehr als Identität – sie ist per se antifaschistisch und ein Gegenentwurf zu starren gesellschaftlichen Systemen: „Queerness is the opposition of fascism […] it embraces fluidity of identities.“

Während faschistische Ideologien auf festen Kategorien bestehen, versteht Rutz Queerness als etwas Bewegliches, Offenes. Die Ausstellung denkt diese Idee weiter: Utopie wird hier nicht als unrealistische Fantasie verstanden, sondern als notwendiger Raum, um gesellschaftliche Alternativen zu entwerfen. Dabei geht es ihm auch um eine Reflexion innerhalb der Community selbst. Er beobachtet eine zunehmende Verfestigung von Labels und Erwartungen: „I have seen this fear among many people not to go beyond what is expected from them - even in the queer community.“ Die Ausstellung setzt genau hier an – sie lädt dazu ein, Identitäten neu zu denken und gesellschaftliche Normen zu hinterfragen.

 

Das Museale ist politisch!


Das Queer Museum Wien am Otto Wagner Areal versteht sich nicht als klassisches Museum, sondern als kollektiver Raum. Sophie Ollmann aus dem Team beschreibt den Anspruch so: Es geht nicht nur um das Zeigen von Kunst, sondern auch darum, Strukturen zu verändern: Der Versuch sei, „das Museum selbst zu queeren“ – also Hierarchien abzubauen und gemeinschaftlich zu arbeiten. Gleichzeitig ist das Museum stark in der Vermittlung tätig. Es schafft Raum für bekannte und weniger bekannte Künstler*innen aus der Community und versucht, queere Kunst breiter zugänglich zu machen

„Ich glaube, was uns gelingt, auf jeden Fall ist Community zu schaffen.“ Diese Community-Arbeit ist zentral: Das Museum zieht nicht nur ein queeres Publikum an, sondern auch zufällige Besuchende, die beim Spaziergang auf die Ausstellung stoßen. Der niederschwellige Zugang – etwa durch freien Eintritt – hilft dabei, Barrieren abzubauen.
Doch Ollmann betont auch die politische Verantwortung von Kulturinstitutionen. Gerade rund um Pride werde diese oft verwässert: „Es wird eben oft vergessen, dass es doch ein Kampf, ein Protest war.“ Deshalb hat sich das Museum bewusst entschieden, in diesem Jahr nicht an der großen Pride-Parade teilzunehmen, sondern andere Formate zu unterstützen.

 

Aktivismus abseits der Metropole


Das  Queere Chaos Kollektiv in Tirol organisiert Demonstrationen, Gedenktage und Community-Events: „Im städtischen Bereich ist einfach am Ende vom Tag mehr Akzeptanz da […] im ländlichen Bereich ist es sicher schwieriger.“ Viola Hofer beschreibt, dass viele queere Menschen außerhalb urbaner Räume weniger sichtbar sind – und sich oft auch weniger sicher fühlen. Umso wichtiger sei kontinuierliche Arbeit vor Ort.
Das Kollektiv setzt dabei bewusst auf Aktivismus und Gemeinschaft: von Demonstrationen bis zu niederschwelligen Angeboten wie gemeinsamen Treffen oder Veranstaltungen.

Während die Pride ursprünglich aus den Stonewall-Protesten hervorging, wird sie heute oft hauptsächlich als Feier wahrgenommen. Viola Hofer bringt es auf den Punkt: „Man darf halt nicht vergessen – es ist am Ende vom Tag eine Demonstration um unsere Rechte.“ Besonders kritisch sieht sie die Rolle von Unternehmen, die Pride für Marketing nutzen, ohne echte Veränderung umzusetzen: „Sobald es ein bisschen ungemütlicher wird, dann seid ihr die ersten, die da abspringen.“ Auch im Queer Museum wird diese Entwicklung reflektiert – mit dem Versuch, den politischen Kern von Pride wieder stärker in den Vordergrund zu rücken.

 

Kann Kunst etwas bewirken?
 

„Yeah, definitely. It had an impact on me!“ so Michał Rutz. Die Wirkung zeigt sich vielleicht nicht unbedingt durch direkte politische Veränderungen, sondern durch Begegnungen, Gespräche und neue Perspektiven – eben durch Community. Kunst schafft Räume, in denen Menschen innehalten, hinterfragen und neu denken können.
Gerade in der queeren Kultur ist das entscheidend: Sie verbindet ästhetische Erfahrung mit politischem Anspruch und persönlicher Identität.

Queere Kultur ist heute vieles zugleich: Sie ist Kunst, Aktivismus, Gemeinschaft – und immer auch politisch. Überall geht es darum, Räume zu schaffen, in denen Vielfalt gelebt wird und Veränderung möglich ist. Oder, anders gesagt: Queere Kultur ist nicht nur Ausdruck der Gegenwart – sondern ein Entwurf für eine andere Zukunft.
 

 

 

Podcast: Reportage "Queere Kultur"

In der begleitenden Audio-Reportage treffen wir Queere Kultur vor Ort, in der Metropole aber auch am Land. Wie verortet sie sich zwischen Party und Protest? Welchen Stellenwert hat das Politische? Wie steht es um die Akzeptanz und kann man mit Kunst noch etwas erreichen?  
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Aber echt. Machst du auch „was mit Kultur“? Der Podcast der IG Kultur mit Patrick Kwasi. 
Kultur macht Gesellschaft? Aber wer macht eigentlich Kultur? Was will ich hier eigentlich und was hat das Ganze mit mir zu tun? Patrick Kwasi von der IG Kultur zu Hoch-, Sub- oder auch mal Unkultur - aber jedenfalls immer persönlich mit den Leuten, die da auch drinstecken. Machst du eigentlich auch „was mit Kultur“?

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Patrick Kwasi macht „was mit Kultur“, sonst macht er auch was mit Medien. Er hat Medienkommunikation studiert und macht die Medienarbeit der IG Kultur. Meistens versucht er Dinge zu verknüpfen und hat am Ende mehr Fragen als Antworten.

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