Das Museum Peršmanhof

Der Peršmanhof ist weit mehr als ein Museum: Er ist ein ein Ort der Vermittlung von Geschichte, Erinnerung und Zivilcourage. Er macht sichtbar, was in Österreichs Erinnerungskultur lange verdrängt wurde – die Verfolgung der Kärntner Slowen*innen und die zentrale Rolle des Partisan*innenwiderstands bei der Befreiung vom Nationalsozialismus. Warum dieser Ort bis heute umkämpft ist und weshalb seine Gedenk- und Bildungsarbeit ein demokratiepolitischer Prüfstein bleibt.

Schulworkshop, Foto: © Društvo

 

Der Peršmanhof war und ist schon immer ein Prüfstein für die österreichische Demokratie. Seine Schwerpunktsetzung in den Bereichen Gedenken und Bildungsarbeit verweist auf schmerzliche Lücken im kollektiven Gedächtnis Österreichs. Einerseits die Geschichte der Kärntner Slowen*innen als NS-Opfer, andererseits die Rolle des Partisan*innenwiderstands in der Befreiung Österreichs von den Nazis. Beide Aspekte sind natürlich untrennbar miteinander verbunden, wurde der Partisan*innenwiderstand doch zentral aus den Reihen der kärntner-slowenischen Minderheit getragen.

 

Vom Tatort zum Lernort. Der Repression zum Trotz.

Am 25.04.1945, kurz vor Kriegsende verübte das SS- Polizei-Regiment 13 ein Massaker an den Familien Sadovnik und Kogoj, die auf dem Peršmanhof lebten, da diese den Partisan*innenwiderstand aktiv unterstützen. Bei diesem Kriegsverbrechen wurde der Hof niedergebrannt und elf Familienmitglieder erschossen. Ihre Namen waren Franciska, Luka, Ana, Franciska, Viktor, Bogomir, Katarina, Albina und Filip Sadovnik und Stanislav und Adelgunda Kogoj. Nur drei Kinder überlebten schwer verletzt und schwerst traumatisiert[1]. Ana, Ciril und Amalija Sadovnik und ihr Bruder Lukas, der zur Tatzeit nicht auf dem Hof war, hatten alles verloren. 

In Österreich kam es nie zu einer Gerichtsverhandlung und die Ermittlungen wurden in den 1960er Jahren endgültig eingestellt[2]. Warum? Weil Österreich, wie Deutschland, Täter*innen des Naziregimes schützte: in Österreich wurden nur 5% der NS-Verbrechen als Verfahren aufgrund der Verletzung der Menschenwürde, Quälerei und Misshandlung geführt, davon wiederum nur 17% verurteilt[3]. Darüber hinaus entstand ein geschichtsrevisionistisches Narrativ des Falls, dass sich nur allzu gut in die anti-partisanische Haltung und den anti-slowenischen Rassismus vor Ort einreiht.


PersmanhofPeršmanhof  © Christian Brandstätter


Das Museum/Muzej Peršman zeigt und vermittelt die Geschichte der Familie Sadovnik, der Kärntner-Slowen*innen und des Partisan*innenwiderstand in Kärnten/Koroška seit 1982. 2012 wurde die Ausstellung erneuert und die Geschichte um den Peršmanhof wissenschaftlich weiter erschlossen. Zwei Vereine leiten nun das Museum, der Verband der Kärntner Partisan*innen und der Društvo/Verein Peršman. 2024 erhielt das Museum das ICOM Siegel. All das hält rechtskonservative Kräfte und Vertreter*innen geschichtsrevisionistischer Narrative nicht davon ab, die Gedenkstätte und ihre Akteur*innen zu kriminalisieren, im Gegenteil.

Am 27. Juli 2025 kam es zu einem rechtswidrigen[4] Polizeieinsatz gegen ein vom Museum eingeladenes antifaschistisches Bildungscamp, ausgerichtet vom KSŠŠD (Klub der Slowenischen Studierenden Wien). Der Einsatz und seine Nachwehen richteten immensen Schaden bei den Teilnehmer*innen des Camps, dem Museum, den Nachkommen der Opfer am Peršmanhof und der Kärntner-Slowenischen Volksgruppe an[5]. Wir erkennen, dass die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis und an den antifaschistischen Widerstand noch immer umkämpft ist und Antifaschismus kriminalisiert wird. Und wir sehen, jedes Mittel ist recht, um zu versuchen, Antifaschist:innen zu delegitimieren und einzuschüchtern. Dabei ist Antifaschismus ein zentraler Grundbaustein der Demokratie in Nazinachfolgestaaten.

 

Demokratiebildung und Erinnerungsarbeit an einem umkämpften Museum

Die Bildungsbemühungen des Museums sind nicht erst seit vergangenem Jahr Repressionen ausgesetzt. Das ist eine Kontinuität seit Bestehen des Museums. Was das Museum dahingehend schützt, stärkt und erhält – und auch das ist ein wichtiges Beispiel demokratischer Partizipation – ist die kontinuierliche ehrenamtliche Arbeit der Community von Nachfahren und Menschen mit biografischen Verstrickungen in die Geschichte(n) des Museums, ohne die es das Museum in der heutigen Form nicht geben würde.
 

Regelmäßig sind Lehrpersonen zu Gast, die tief berührt sind von der am Peršmanhof vermittelten Geschichte und gleichzeitig wütend darüber, wie es sein kann, dass sie im Schulsystem bis heute nichts davon erfahren haben.


Da sowohl die Geschichte der Kärntner Slowen*innen als auch die Geschichte des Partisan*innenwiderstands kaum im österreichischen Lehrplan behandelt werden, ist die Vermittlungsarbeit ein zentrales Anliegen in der gegenwärtigen Praxis des Museums. Regelmäßig sind Lehrpersonen zu Gast, die tief berührt sind von der am Peršmanhof vermittelten Geschichte und gleichzeitig wütend darüber, wie es sein kann, dass sie im Schulsystem bis heute nichts davon erfahren haben.
 

Das Museum erfreut sich an einem großen Anstieg von Schulexkursionen und Lehrer*innenfortbildungen, die im Gedenkjahr 2025 ihren bisherigen Höhepunkt fanden. Ziel der angebotenen Workshops ist einerseits ein Verständnis für die Geschichte der NS Verbrechen, des Widerstands in Kärnten/Koroška und dessen Bedeutung am Beispiel Peršmanhof zu vermitteln. Andererseits liegt ein zentraler Fokus auf dem Transfer der Geschichte in die Gegenwart: Wie verhalten wir uns heute, wenn wir Diskriminierung und Repression erkennen? Was können wir von den Menschen lernen, die sich damals gegen das NS-Regime verbündet und es bekämpft haben? In diesem Versuch, mit jungen Menschen darüber nachzudenken, was die Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft bedeutet, liegt eine der größten Herausforderungen der Vermittlung. Unter Jugendlichen nehmen Wissenslücken um NS-Verbrechen zu, was Fragen nach Kontinuitäten und Gegenwartsbezügen oft ins Leere laufen lässt[6].

 

Ein lebendiges Archiv für eine antifaschistische Zukunft

Das Museum/Muzej Peršman wirkt also nicht nur demokratisierend ins zentrale Schul- und Bildungssystem, es ist auch ein sozialer Ort, mit wichtiger regionaler Bedeutung, für das Ausverhandeln, Verarbeiten und Lernen persönlicher Biografien und intimer Erinnerungen. Die Ausstellung, die Spuren aus der Vergangenheit, die Umgebung als stille Zeitzeugin, die spürbar erkämpfte und umkämpfte Erinnerung und die Menschen, die den Ort gestalten und mit ihm verbunden sind, machen das Museum/Muzej Peršman zu einem lebendigen Archiv[7]. Als solches wird es hoffentlich, aller Widerstände zum Trotz, noch viele Jahrzehnte jenen Würde verleihen, deren Geschichte die Nazis und ihre Erb*innen auslöschen wollten. Und genauso hoffen wir, dass es noch vielen Neugierigen Mut machen wird, um standhaft zu bleiben, wenn sich Geschichte wiederholt.

 

Julia Stolba ist Künstlerin und Kunsttheoretikerin. Im Rahmen ihrer Dissertation an der HFBK Hamburg forschte sie zu künstlerischen Auseinandersetzungen mit Gewaltgeschichte(n) in Archiven am Beispiel des Museum/Muzej Peršman.

Markus Gönitzer ist Kulturarbeiter. Er arbeitet seit zehn Jahren in der Vermittlung des Museum/Muzej Peršman. Seit 2021 ist er Vorsitzender des Verein/Društvo Peršman.

 

Coverbild: Schulworkshop, Foto: © Društvo   

 


1 Vgl. Claudia Kuretsidis-Haider, „Strafsache wegen der Verbrechen an der Familie Sadovnik“. Das Verfahren des Volksgerichts Klagenfurt und der Umgang der österreichischen Justiz mit den Ereignissen auf dem Peršmanhof, in: Lisa Rettl, Gudrun Blohberger, Verband kärntner-slowenische Partisanen, Verein/Društo Peršman (Hg:innen), Peršman, Göttingen 2014, S.49-92, hier S.49-52.
2 Vgl. Gudrun Blohberger, Ausstellungsimpressionen. Ein Museumsrundgang in Wort und Bild. Mit Fotos von Zdravko Haderlap, in: Rettl, Blohberger, Verband kärntner-slowenische Partisanen, Verein/Društo Peršman, S.229-469, hier S.429-437.
3 Vgl. Kuretsidis-Haider, S.52-53.
4 Vgl. Bundesministerium für Inneres, Bericht der Expertinnen- und Expertenkommission Peršmanhof, Wien 2025, URL: https://www.bmi.gv.at/Downloads/files/Bericht_Persmanhof_DE_Web.pdf, letzter Zugriff: 29.01.2026.
5 Pressemittelung des Društvo/Verein Peršman zum Polizeieinsatz an der Gedenkstätte und im Museum Peršman, 27.07.2025, URL: https://www.persman.at/de/presseaussendung-des-drustvo-verein-persman-z…, letzter Zugriff: 29.01.2026.
6 Der Standard, 23.01.2025, URL: https://www.derstandard.at/story/3000000254245/laut-befragung-bef252rch…, letzter Zugriff: 29.01.2026.
7 Vgl. Markus Gönitzer, Julia Stolba, How to build an antifascist museum. The case of the Museum Peršmanhof, in: Elena Messner, Cristina Beretta, Goran Lazicic, Markus Gönitzer (Hg:innen), Women and Partisan. Aesthetics and Practices of Resistance in Yugoslavia and Carinthia, Bielefeld 2025, S.85.

 

Cover des IG Kultur Magazins 2026. Kultur Macht GesellschaftDieser Artikel ist im IG Kultur Magazin 2026  "KULTUR MACHT GESELLSCHAFT" erschienen. 

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