Kultfür! Vorarlberg startet Solidaritätskampagne für Kunst und Kultur

Kultfür! setzt Zeichen für den Erhalt von Kunst und Kultur

Mit der Solidaritätskampagne Kultfür! setzen wir ein deutliches Zeichen gegen Kürzungen im Kulturbereich und für den Erhalt von Kunst und Kultur als öffentliche Aufgabe. Die Initiative entstand vor dem Hintergrund der Einschnitte im Kulturbereich der Stadt Feldkirch und macht deutlich, dass es dabei nicht um Einzelfälle geht, sondern um die Zukunft kultureller Vielfalt in ganz Vorarlberg. Kunst und Kultur sind für uns Infrastruktur für Demokratie, Bildung, Begegnung und Lebensqualität.

Wir tragen die Kampagne gemeinsam mit weiteren Kulturinitiativen, Vereinen, Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen und freuen uns über die breite Unterstützung aus Wirtschaft, Industrie, Tourismus, Sozialbereich und Zivilgesellschaft. Innerhalb kurzer Zeit haben wir mehr als 120 Rückmeldungen und Solidaritätsbekundungen erhalten. Das zeigt uns, dass die Forderung nach verlässlicher Kulturfinanzierung weit über den Kulturbereich hinaus getragen wird. 
 

Stimmen aus der Praxis

Mirjam Steinbock von der IG Kultur Vorarlberg betonte vor den Medien, dass Kulturförderung nicht nach rein betriebswirtschaftlichen Maßstäben behandelt werden dürfe. Wenn Kunst und Kultur nicht mehr gefördert würden, könne man die Arbeit vieler Initiativen nicht mehr weiterführen; gebraucht würden verlässliche Strukturförderungen und Planungssicherheit. Und wenn Förderungen wegfallen, würde allen Menschen in Vorarlberg sowie Gästen und Zureisenden etwas Nahrhaftes und Sinnvolles fehlen.

Herwig Bauer vom Poolbar Festival unterstrich Kultur als Standortfaktor. Ohne lebendige Kulturszene werde Vorarlberg provinzieller und unattraktiver für Fachkräfte und Betriebe; auch für Vereine sei Planbarkeit entscheidend, weil sie wie Firmen Verträge abschließen müssten.

 

Sabine Benzer vom Theater am Saumarkt wies darauf hin, dass „einfach weniger Programm“ keine echte Lösung sei. Weniger Förderung verändere die Qualität und den Charakter des Angebots, gerade in Bereichen wie Literatur und zeitgenössischer Kunst, die nicht auf Massentauglichkeit ausgerichtet seien.

Heike Kaufmann vom Spielboden Dornbirn machte deutlich, dass die Szene längst mit minimalen Budgets arbeite: Man wehre sich nicht gegen Sparen, aber es gebe faktisch nichts mehr einzusparen. Einsparungen träfen nicht nur das Angebot, sondern würden Strukturen zerstören. 

Die Regisseurin Brigitta Soraperra und Yener Polat vom interkulturellen Theaterverein Motif machten auf die schwierigen Verhandlungen mit Fördergebern aufmerksam, insbesondere für kleinere Initiativen. Ihre Botschaft war klar: Wer Augenhöhe will, braucht auch reale Bedingungen dafür. 
 

 

Was auf dem Spiel steht

Die Folgen von Kürzungen sind bereits spürbar: Projekte werden verschoben oder abgesagt, Vermittlungsangebote reduziert, Gastspiele gestrichen und Fair Pay rückt weiter in die Ferne. Betroffen sind nicht nur einzelne Veranstaltungen, sondern auch Nachwuchs, Arbeitsplätze, Qualität und kulturelle Räume.

Dass faire Bezahlung notwendig ist, zeigt in Vorarlberg die vom Land beauftragte und von der Fachhochschule Vorarlberg ausgeführte Studie zu den Lebens- und Einkommensverhältnissen Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler. Diese präsentierte 2023 das Ergebnis, dass rund jede zweite Künstlerin und jeder zweite Künstler im Land armutsgefährdet ist. Viele arbeiten gezwungenermaßen mit unregelmäßigen Einkommen, projektbezogen und ohne ausreichende soziale Absicherung. Kulturarbeit ist gesellschaftlich unverzichtbar, leidet aber arbeitsmarktpolitisch unter fehlenden Standards und ist zu oft dem Prekariat ausgeliefert.
 
Zur Solidarität eingeladen

Wir verstehen Kultfür! als gemeinsamen Aufruf: Kultur ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern öffentliche Daseinsvorsorge und eine Lebensgrundlage für das Land. Die große Resonanz auf die Kampagne zeigt, dass viele Menschen, Initiativen und Institutionen diesen Standpunkt teilen. 

Wir laden daher dazu ein, sich anzuschließen und die Kampagne mitzutragen. 

Unsere Position ist klar: Wir brauchen den Schutz kultureller Vielfalt, verlässliche Finanzierung auf allen Ebenen, faire Arbeitsbedingungen und Kommunikation auf Augenhöhe, um den gesellschaftlichen Anforderungen gewachsen zu sein.

>> Zur Solidaritätsbekundung
>> Zur Projektseite von Kultfür! mit allen Erstunterzeichnenden
>> Hier der vollständige Pressetext für den 9. Juni 2026.
 

Fotos: Verena Knöpfle, Feldkirch
Im Bild v.l.n.r.
Oben: Herwig Bauer (poolbar Festival), Ingrid Delacher (Proton - das freie Radio), Lisa Weiß (Kammgarn Hard), Brigitta Soraperra (Regisseurin), Heike Kaufmann (Spielboden), Ruth Kanamüller (Proton - das freie Radio), Sabine Benzer (Theater am Saumarkt) Sigi Ramoser (sägenvier KommunikationsDesign), Luis (poolbar Festival), Klaus Christa (Die Pforte)
Unten: Valerie Rainer (r+a architektur), Sarah Kirsch (Künstlervereinigung), Dagmar Fuchs (Lichtstadt Feldkirch), Mirjam Steinbock (IG Kultur Vorarlberg), Leon Boch (ULTRAMATERIA), Johannes Rausch (Theater der Figur), Yener Polat (Theaterverein motif), Helmut Schlatter (Artenne Nenzing)
 
Herzlichen Dank für die Auftrittsbegleitung Sigi Ramoser für das Kultfür!-Kleid, Verena Knöpfle für die Fotos und an den Spielboden Dornbirn und die Spielboden Kantine für´s Hosting.