#ReGen-Umfrage in Vorarlberg – Stimmungsbild zur Regenerativen Kulturarbeit

Im Rahmen unseres Jubiläumsthemas starteten wir im Dezember 2025 eine Umfrage zu „Regenerativer Kulturarbeit“. Zwei Monate sammelten wir Impulse aus dem Kultursektor und bei Interessierten: 45 Stimmen aus Vorarlberg und darüber hinaus teilten ihre Gedanken, Visionen und Erfahrungen und geben uns „Futter“ für unser Forschungsprojekt. Ein herzliches Dankeschön an die Teilnehmenden! „Kulturarbeit radikal fürsorglich denken“ ist eine der beeindruckenden Rückmeldungen und gleichzeitig ein motivierender Appell. Wir haben das Stimmungsbild zusammengefasst und veröffentlichen die Ergebnisse hier in Kürze und im Detail.

Wir haben mit der Umfrage #ReGen Kulturakteur:innen und Interessierte von Mitte Dezember 2025 bis Februar 2026 eingeladen, ihre Erfahrungen, Meinungen und Wünsche zum Jubiläumsthema „Regenerative Kulturarbeit“ mit uns zu teilen. Die Ergebnissammlung bildet keinen repräsentativen Querschnitt, sondern ist vielmehr als Instrument zu verstehen, um in´s Thema einzusteigen und es zu definieren. Wir verzichteten bewusst auf die Angabe unserer eigenen Begriffsdefinition und überließen die Interpretation den Teilnehmenden. Die Umfrage ist Teil des Beteiligungsprozesses anlässlich unseres Jubiläumsthemas, das wir über einen längeren Zeitraum mit Mitgliedseinrichtungen und weiteren Partner:innen erforschen möchten. Besonders die offenen Antworten zu „Regenerativer Kulturarbeit“ (Frage 7) und den Visionen (Frage 8) zeigen eine reiche Bandbreite an Ideen, Hoffnungen und kritischen Reflexionen, die wir hier mit ausgewählten Beispielen einfangen und als Einstieg in weitere Gespräche nutzen wollen. Wir haben die Ergebnisse folgend zusammengefasst; die detaillierten und vollständigen Angaben sind hier einzusehen.

 

Umfragerahmen und Teilnehmer*innen
Wir haben die Umfrage zugunsten einer großen Meinungsvielfalt bewusst offen gestaltet. Als Plattform wählten wir survio.com in open source, den Zeitraum vom Umfragestart mit 09.12.2025 verlängerten wir Mitte Januar bis 15.02.2026. Es konnten 122 Besuche verzeichnet werden, davon beantworteten 45 Personen den Fragebogen zu 14 Fragen vollständig, was einer tollen Vollständigkeitsrate von 36,9% entspricht. Die Teilnehmenden kamen mit Kulturarbeiter:innen und -vermittler:innen, Künstler:innen und freiwillig Engagierten vor allem aus dem Kultursektor, ergänzt wurden die Rückmeldungen von Politiker:innen, Verwaltungsangestellten und weiteren Perspektiven.

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Geografisch dominiert Vorarlberg mit 34 Stimmen, ergänzt durch Beiträge aus Deutschland mit vier, Italien drei und Beiträgen von zwei anderen österreichischen Bundesländern. 31 Teilnehmende gaben ihre Namen ab, von 14 wurde die Umfrage anonym beantwortet.
 

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Umfangreiche Angaben zu Regeneration
Antworten zu „Wenn ich Regeneration / regenerativ höre, denke ich an …“ zeichnen ein klares erstes Bild: Die von uns gewählten Optionen "Erholung" (32 Nennungen), "Wiederbelebung" (25), und "Kreislaufkultur" (20) dominieren. Auch "Erfrischung" (13), "Lustvolles Tun" (12) und "Entspannung" (12) erhalten viele Nennungen und es werden noch weitere Aspekte wie Inspiration, Gemeinschaftsbildung, Nachhaltigkeit und natürliche Systeme von den Teilnehmenden ergänzt. 

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Wie öffnen wir kreative Räume, in denen wir lustvolle, innovative, mutige Alternativen erträumen können? Wie unterstützen wir unsere Nervensysteme, sich auf Neues einzulassen? Wie schaffen wir Verbindung? Möglichkeit? Schönheit? - Kultur- und Sozialanthropologin, selbständig im Bereich "Regenerative Kultur"

Zur Frage 7, was die Teilnehmenden denken, wenn sie Regenerative Kulturarbeit hören, wird es konkret und etliche Aussagen decken sich mit unserer Begriffsannäherung: Ein:e Kulturarbeiter:in aus einer gewinnorientierten Einrichtung beschreibt: „Ressourcenschonung, Zusammenhalt, Kulturarbeit als Prozess.“ Eine Person fragt visionär: „Wie öffnen wir kreative Räume, in denen wir lustvolle, innovative, mutige Alternativen erträumen können? Wie unterstützen wir unsere Nervensysteme, sich auf Neues einzulassen? Wie schaffen wir Verbindung? Möglichkeit? Schönheit?“ Weitere Stimmen heben hervor: „Nachhaltige Projekte, die lange bestehen, sich entwickeln, lernen und verändern dürfen“ oder „Kulturarbeit, die über mehrere Generationen wirkt“. Hier kommt durch eine real erlebte Erschöpfung, besonders im Ehrenamt, auch eine degenerative Wirkung zutage: „Kulturarbeit ist auch Erschöpfung […] die Gefahr besteht, dass sie mich auslaugt.“ Kritische Noten wie „Uff, wieder so ein Wort, das keiner versteht.. ;)“ oder Bezüge zu regenerativer Wirtschaft runden das Stimmungsbild ab und laden dazu ein, regenerative Ansätze bewusster zu greifen und gemeinsam zu definieren.

 

Visionen für Kulturarbeit
Auf die Frage 8, „Mal so rausgehauen als Vision: Was würdest Du in der Kulturarbeit gerne mit Lust und Liebe tun? Hier und jetzt.“ entfalten die Teilnehmenden ein breites Spektrum an Vorstellungen. Eine Person fordert: „Ich würde Kulturarbeit radikal fürsorglich denken: faire Arbeitsbedingungen, Zeit für echte Begegnung, langfristige Kooperationen statt Projektdruck.“ Eine andere Person visioniert: „Orte schaffen, an denen interdisziplinäre Synergien und echte Begegnung im Zentrum stehen – getragen von fairer Bezahlung. Wesentlich ist dabei eine lebendige Vermittlung, die Barrieren abbaut.“ Weitere Ideen reichen von „Mehr Menschen zusammenbringen und vernetzen, damit sie die Kraft des gemeinsamen Tuns spüren“ über „Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten bieten zu freier Entfaltung, zum Experimentieren und Entdecken“ bis hin zu „Einen 'Laden' eröffnen. Kleiner Raum, 12 m² […] Über der sperrangelweit offenen Eingangstür steht 'PROJEKT'. Alle sind willkommen, und ich bin da, um dir helfen, dein Projekt aufzufädeln.“ Hier zeigt sich auch, dass Vernetzung erforderlich ist, da es solche Räume in Vorarlberg bereits gibt.

Generell mehr Raum und Möglichkeiten geben um Menschen zusammenzubringen und somit viele neue positive Begegnungen entstehen zu lassen. - Anonyme Angabe eines IG Kultur-Mitglieds

Globale Ansätze wie „Ein Theaterprojekt mit Jugendlichen aus ganz Europa“ oder „Den Wisdom Council Process, einen globalen Bürger*innenrat“ mischen sich mit regionalen Wünschen wie „In Vorarlberg Spielfilme auf Hollywoodlevel produzieren“. Viele betonen, dass sie bereits mit Lust arbeiten, jedoch stabilere Rahmenbedingungen mitweniger finanziellem und zeitlichem Druck, und weniger Bürokratie ihr Tun erleichtern würde.

 

Regenerative Praxis ist sichtbar
Bereits jetzt wirken viele in der Kulturszene regenerativ, wie Frage 9 zeigt: Durch Teamzusammenhalt („Ein gestärktes Zusammenspiel, niemand wird allein gelassen“), offene Ateliers, partizipative Museen („Räume der Reflexion, Fürsorge und Ermächtigung“), Literaturhäuser als Lern- und Begegnungsorte, Re:Use-Praktiken („Wir betreiben Re:Use mit Geräten und Materialien“), Dialogformate wie „Sprechen & Zuhören“ („4.000 Menschen erreicht“) und inklusive Angebote ohne Konsumzwang werden Resonanzräume gebildet, die nähren, verbinden und Selbstwirksamkeit ermöglichen. In Frage 10 werden zahlreiche konkrete Beispiele genannt, wo Regenerative Kulturarbeit sich abbildet und was sie schon jetzt über Grenzen hinaus bewirkt. Dieses Stimmungsbild unterstreicht, dass regenerative Elemente bereits in vielen Praxen verankert sind. Diese gilt es nun, sichtbar zu machen, zu benennen und gezielt auszubauen.

Paying attention to the marginal aspects and components of the urban and social environment we inhabit. - Doktorandin, Universität Neapel Federico II


 

Favorisierte Titel
Wir haben einige Projekttitel vorgeschlagen, von denen "ReGen - Wo Kultur Kreisläufe kreiert" die meisten Treffer generierte. Aber auch "Blühende Kultur", "Kultur für eine aussichtsreiche Zukunft" oder "Kultur für die Wurzeln der Zukunft" fanden mit ihrer Nähe zur Pflanzenwelt Anklang.
 

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Kulturarbeit als Querschnittsmaterie
Regenerative Kulturarbeit verbindet sich für die Teilnehmenden klar als Querschnitts-Thema, das wir in Frage 12 erhoben: Umwelt, Klima & Naturschutz, Kinder & Jugendliche und Wissenschaft & Bildung hoben sich als Beteiligungsbereiche deutlich ab. Auch Frauen & Gleichstellung sowie Gesundheit & Soziales führen bei den Teilnehmenden, gefolgt von Innovation & Forschung, Politik & Verwaltung, Industrie & Wirtschaft und Sport. Kultur positioniert sich so als zentraler Knotenpunkt gesellschaftlicher Transformation.

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Bereitschaft zum Mitmachen
Nach Mitakteur:innen gefragt wollen 19 Teilnehmende das Thema mittragen, brauchen aber noch weitere Infos. 16 Personen haben bereits eigene Initiativen und 5 interessieren sich für eine Mitarbeit im Kernteam. Nur 7 Teilnehmenden fehlen derzeit Ressourcen, 5 sind noch unentschlossen. 
 

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Die vollständigen Antworten sind in dieser Ergebnisdatei einsehbar und fließen direkt in die Bespielung des Jubiläumsthemas mit ein. Wir bedanken uns nochmals sehr herzlich bei den Teilnehmer:innen für ihre investierte Zeit und das Teilen der vielfältigen, wertvollen Gedanken und Vorhaben!
 

Wie geht´s weiter?
Wir werden weitere Gedanken und Visionen der zustimmenden Teilnehmenden fortlaufend auf unserem Instagram-Kanal veröffentlichen. Wenn auch Du Teil des #ReGen-Projekts sein möchtest, siehst Du hier Möglichkeiten einer Teilnahme oder nimm einfach Kontakt mit uns auf. Wenn Du weiterhin informiert sein möchtest, abonniere unseren Newsletter hier

Foto: @Stefan Hauer für IG Kultur Vorarlberg-Neujahrsgespräch am 26. Januar 2026 in der Zirkushalle Dornbirn.